Kochi – zwischen kühnem Fortschritt und zeitloser Tradition

Dezember 23, 2015

Die nächsten zwei Tage verbringen wir in Kochi, der zweitgrössten Stadt im Bundesstaat Kerala, in welcher der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama 1498 landete. Nebst dem portugiesischen Einfluss spürt man hier auch niederländisches Flair, da diese die Stadt um 1663 eroberten bis schliesslich die Briten die Herrschaft im 18. Jahrhundert an sich rissen.

Cochin erstreckt sich über das Festland und mehrere der Küste vorgelagerte Inseln und Halbinseln. Da wir nur zwei Tage Zeit haben, beschränkt sich unser Fokus auf die Halbinsel Fort Kochi, welche aus touristischer Sicht auch am Meisten zu bieten hat.

Nachdem wir unser Gepäck im familiengeführten Guesthouse „Kapithan’s Inn“ abgeladen haben, geht es ins nahgelegene „Kashi Art Café“ – ein kleines gemütliches Café mit übersichtlicher Karte und vielen ausgestellten Kunstobjekten. Von diesem Ort sind wir sofort begeistert, Mike aufgrund der vielen Artworks und mich überzeugt die frisch gebraute Kaffee und das dunkle Vollkornbrot. Besonders lecker und empfehlenswert sind die hausgemachte Limonade, die Sandwiches und natürlich der liebevoll gebraute Kaffee. Da wir die letzten drei Wochen ausschliesslich in den Genuss der indischen Küche gekommen sind, waren diese Leckerbissen eine willkommene Abwechslung und wir beschlossen am nächsten Morgen zum Brunchen nochmals vorbeizukommen.

Am Abend stand die kulturelle Kathakali Tanzshow im Cochin Cultural Centre auf dem Programm. Es handelt sich dabei um ein indisches Tanzdrama der expressiven Form, welches in Kerala weitum an Bekanntheit geniesst. Erwartungsvoll kauften wir unsere Tickets und schnappten und die besten Plätze. Mit dem was uns dann kurz darauf erwartete, hat wohl keiner gerechnet. Die berühmte Show entpuppte sich als mehrstündiges Drama, bei welchem die Charaktere mit lebendig-bemalten Gesichtern und aufwändigen Kostümen Geschichten über Dämonen und Götter erzählen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer Person mit buntem Gesicht, welche still auf der Bühne sitzt und zu monotonen Trommelschlägen stundenlang die Mimik und Gestik adaptiert. Die Ausdrucksformen beschränken sich dabei auf eine paar wenige Gemütszustände wie Liebe, Hass, Wut, Eifersucht, etc. Damit ihr euch darunter etwas vorstellen könnt, haben wir euch einen Film herausgesucht

Nach einer gefühlten Ewigkeit der Langeweile, begann der Grossteil unserer Gruppe unruhig auf den Stühlen hin- und herzurutschen, in der Hoffnung auf irgendeine Aktion auf oder neben der Bühne. Nach mehr als einer Stunde pantomimischer Gesichtsakrobatik hatten schliesslich auch die Letzten die Nase voll und wir verliessen die Show vorzeitig. 1-2 Stunden später mussten wir nochmals kurz zurück, da Mike sein Kamera-Case vergessen hatte und siehe da: Die Show tatsächlich noch in Gange!

Am zweiten Tag konnten wir selbständig die Stadt erkunden. Während eines mehrstündigen Spaziergangs besuchten wir die bekannten Sightseeingpunkte wie das Fort, die Chinese Fishing Nets, den Dutch Palace, das Judenviertel, etc. und schlenderten durch die bunten kleinen Gassen. Am Besten schaut ihr euch dazu unsere Fotogalerie an.

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