Das Abenteuer Südindien beginnt

Dezember 19, 2015

Wunderschöne Strände, die bekannten Kerala Backwaters, üppige grüne Landschaften, faszinierende Religionen und exotische Bazare. Wir haben uns entschieden den Süden Indiens mit einer Intrepid Tour zu bereisen, bei welcher wir während zwei Wochen das kontrastreiche Südindien aus unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen und dabei die Bundesstaaten Kerala, Tamil Nadu, Karnataka und Goa durchqueren.

Unser dritte Tag in Trivandrum war angebrochen und nachdem es uns die letzten zwei Tage und Nächte undenkbar mies und beschissen ging, war unser einziges Ziel: Raus aus dieser Hölle von Hotel (Swapna Residency) und zurück in die Zivilisation.

Völlig ausser Kräften und dehydriert von den Ereignissen der letzten Nacht taumle ich mit geschultertem Rucksack aus dieser stinkenden Grotte, welche die Bezeichnung Hotelzimmer nicht verdient. Ein wenig verzögert humpelt Mike mir hinterher, in dem Versuch seinen Rucksack eigenständig die zwei Etagen runterzubringen – woran er innert Kürze kläglich scheitern wird. Ihm geht es noch beschissener als mir. Die eigentlich harmlosen Schürfwunden seines Unfalls sind in den schwülfeuchten, dreckigen Strassen ein beliebter Spielplatz für Bakterien und diese haben innerhalb der letzten 24 Stunden auch grossartige Arbeit geleistet. Der Fuss ist unnatürlich angeschwollen und die verschiedenen Farbtöne der entzündeten, eiternden Schürfungen übertrumpfen sich selbst.

In dieser misslichen Lage wird uns bewusst wie wertvoll guter Rat ist. Zum Glück haben wir Anna – unsere Retterin in Not – die uns mit ihrem medizinischen Fachwissen trotz Zeitunterschied sofort mit Tipps und Tricks zur Seite steht. Ihre Anweisungen befolgend, schleppe ich mich zum nächsten Medical Store um Betadine, Kochsalzlösung, Gazen und Pflaster zu kaufen. Glücklicherweise liegt unsere Unterkunft direkt an der General Hospital Road, wo sich ein Medical Store an den anderen reiht, die Beschaffung sollte also kein Problem sein. Doch was für eine Ironie, in den ersten drei Shops versteht keiner Englisch und in den Läden Nummer 4 und 5 werde ich freundlich darauf hingewiesen, dass ich für spezielle Sachen wie Kochsalzlösung, Gazen und Pflaster beim Hospital vorbeigehen müsste. Irgendwann macht sich meine Magenverstimmung wieder bemerkbar und ich kehre einzig mit dem Betadine zum wartenden Mike zurück. Uns reicht es jetzt endgültig. Mit aller Kraft winken wir energisch einen Tuctuc-Fahrer herbei, der uns zum The South Park Hotel bringt, wo wir an diesem Abend unsere Intrepid-Tourgruppe kennenlernen werden.

Bei unserer Ankunft öffnet uns ein schick gekleideter Portier mit elegantem Turban die schwere Eingangstür zum Hotel. Wie aus dem Nichts erscheinen zwei Lobbyboys und begnadigen sich unserer schweren Rucksäcke. Langsam schlurfen wir (oder besser gesagt, ich schlurfe und Mike humpelt) über den glänzend polierten Marmorboden in Richtung Rezeption und wir sind uns sicher „Jetzt wird alles wieder gut werden“.

Und so ist es. Hier hat das Schicksal endlich Erbarmen und wir können bereits am Vormittag unser Zimmer beziehen. Besorgt schauen uns die zwei Rezeptionisten an, als wir ungepflegt, mit grossen Augenringen und den Tränen nahe hoffnungsvoll nach der Zeit fürs Einchecken fragen. Dankbar und glücklich nehmen wir unseren Schlüssel entgegen. Ein grosses, schön möbliertes Zimmer mit bequemem Bett und einem sauberen nach Putzmittel duftenden Bad wartet auf uns. Ich könnte weinen vor Freude, doch die Müdigkeit ist stärker und siegt letztendlich. Kurz darauf liege ich eingekuschelt und frisch geduscht im Laken. Mike desinfiziert noch seinen Fuss und der Room Service bringt Sandwiches vorbei, doch dies kriege ich bereits nur noch im Halbschlaf mit.

Nach ein paar Stunden tiefen Schlafs, lernen wir am Abend unsere Intrepid-Gruppe kennen: zwei Deutsche, ein Engländer, sieben Australier und unseren einheimischen Tour Leader Thil. Die Tour startet in Trivandrum und geht dann weiter nach Varkala, Alleppey (Backwaters), Kochi, Periyar, Madurai, Mysore, Hampi bis nach Goa.

Am nächsten Morgen geht es per Bus los in Richtung Varkala an die Küste Keralas. Die sandigen Buchten sind von hohen Klippen umzäunt und entlang der Felskanten führt ein kleiner Weg an gemütlichen Bars, Restaurants und Guesthouses entlang. Wir werden die nächsten zwei Nächte im Black Beach Resort  wohnen welcher zwischen dem Black Beach und White Beach liegt. Der Black Beach hat seinen Namen aufgrund des schwarzen Sandes, er enthält Spuren von Thorium-Oxid, eine radioaktive Substanz, die ihm die dunkle Farbe verleiht.

In Varkala angekommen, gibt es einen Orientation Walk mit anschliessendem Lunch in der Gruppe. Da der humpelnde Mike unseren gesunden Beinen nicht nachkommt, soll er stattdessen seinen Fuss schonen und im Hotel warten. Enttäuscht schaut er uns mit wehmütigem Blick nach wie wir über die Klippen klettern und langsam aus seinem Blickfeld verschwinden.

Mein Magen ist nun endlich auf dem Weg zur Besserung und gegen den Abend schwillt auch Mikes Fuss allmählich ab. „Nun ist das Schlimmste überstanden. Südindien kann kommen!“ – Falsch gedacht. Es scheint als hätte das Schicksal mit Mike noch eine Rechnung zu begleichen. Im grössten Touristenort, inmitten eines sorgfältig von unserem Tour Leader auserwählten Restaurant schlägt es erneut heimtückisch und gnadenlos zu. Wir teilen uns zwei Curries mit Naan und Reis, welche Mike ein paar Stunden später ohne Erbarmen den Schlaf rauben und ihn zwischen Bett und Toilette hin- & herquälen werden.

Mikes Entdeckungsreisen beschränken sich somit während unser Zeit in Varkala auf den Raum des Hotelgeländes und der umliegenden 100 Meter.

Am vierten Tag unserer Intrepid Reise treffen wir uns frühmorgens um 5.00 Uhr um nach Alleppey weiterzureisen. Schlaftrunken setzen wir uns zu dritt in ein Tuctuc, welches uns zum Bahnhof bringen soll, in der Hoffnung noch ein kleines Nickerchen zu halten.

Aber der Chauffeur hat andere Pläne. Hinter unseren Köpfen stehen seine neuen Musikboxen. Laute Reggaemusik dröhnt in unsere Ohren und die Beats lassen unsere Körper vibrieren. Innert Kürze ist unsere Schläfrigkeit wie weggeblasen. Mit grossen Augen starren wir in die Morgendämmerung während unser Chauffer aufs Gaspedal drückt und um die dunklen Kurven rast. Plötzlich holt einer seiner Tuctucfreunde auf, überholt laut hupend und mit schiefem Grinsen, bemüht uns nicht mehr durchzulassen. Jetzt ist der Ehrgeiz unseres Chauffeurs erst richtig geweckt. „Das lässt er sich nicht bieten, wenn einer diese Ralley gewinnt, dann er!“

Sein Tuctuc holt an Geschwindigkeit auf, wird schneller als man ihm zutrauen würde und kurz vor der Zielgerade gewinnt er die Führung und entscheidet das Rennen für sich. Stolz erhoben springt er in Siegerpose aus seinem Gefährt und die Kollegen strecken ihm seinen Gewinn zu.

Wir betrachten das Geschehen, froh darüber, wieder festen Boden unter unseren zittrigen Beinen zu haben.

2 comments

  1. Comment by WilliamDet

    WilliamDet Reply Mai 21, 2016 at 5:00 am

    Thanks a lot for the post.Really thank you! Want more. Marcotte

  2. Comment by Valarieka

    Valarieka Reply September 9, 2016 at 7:35 pm

    I really liked your post.Really thank you! Belony

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